Katwarn Warnungen

Freiwillige Feuerwehr rettet zwei Menschenleben

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ALSFELD (pw).  Mit 275 Alarmen wurden Alsfelds Feuerwehrleute im Vorjahr kreisweit am meisten zur Hilfe gerufen.

Die 75 Frauen und Männer der Einsatzabteilung „Alsfeld-Mitte“ wurden im Jahr 2018 zu 42 Bränden, 156 Hilfeleistungen und 77 Fehlfahrten alarmiert. Welche Verantwortung auf den Frauen und Männern dieser Freiwilligen Feuerwehr lastet, zeigte sich am Tag ihrer jährlichen Generalversammlung. In den 24 Stunden vor ihrer Zusammenkunft in der Feuerwache wurden die Ehrenamtlichen vier Mal alarmiert. Dazu zählten ein vermeintlicher Wohnhausbrand, eine Menschenrettung über Drehleiter, eine Türöffnung für den Rettungsdienst und die Ausleuchtung eines Landesplatzes für den Rettungshubschrauber.

Unter den Schlagworten „Erlebnisse, Eindrücke, Emotionen“ stellte Wehrführer Carsten Schmidt am Samstagabend einen Jahresbericht vor, der von einem beispiellosen gesellschaftlichen Engagement im Landkreis zeugt. Beispielhaft führte Schmidt einen Hilfeleistungseinsatz vom 10. Januar 2018 an. An diesem Tag verunfallten auf der Autobahn 5 bei Alsfeld zwei Lastwagen mit Gefahrgut. „Dieser Einsatz an einem Winterabend zeigt deutlich, dass wir keinem normalen Hobby nachgehen“, so der Wehrführer. Wie er sagte, blieb ihm der Einsatz persönlich in Erinnerung. „Zwei Soldaten meldeten, dass da -Etwas- bei einem Unfall ausläuft“, erinnerte sich Schmidt zurück. Wenig später kamen zwei Polizisten auf ihn zugelaufen, die sich ein Stück Stoff über die Nase und den Mund gezogen hatten. „In diesem Moment habe ich auch die Besatzung eines Rettungswagens erblickt, die in einer Flüssigkeitslache um das Leben eines Lastwagenfahrers kämpfte“, so die weiteren Schilderungen. Es entwickelte sich ein mehrstündiger Einsatz. Für den Wehrführer waren in diesen Minuten alle Helfer zur Rettung von Menschenleben verbunden, doch wurden sie dabei massiv behindert. „Die Rettungsgasse war von mehreren Lastwagen zugefahren, wichtiges Equipment musste bis zu 500 Meter weit zum Unfallort getragen werden“, so Schmidt. Für ihn ein Spiegel der Ellenbogengesellschaft.

Im Hinblick auf die Vorsorge für Einsätze berichtete Schmidt, dass in der Feuerwache ein sogenannter Stabsraum eingerichtet wurde. Bei größeren Unwetterszenarien wurde dieser bereits zur Leitung von Einsätzen genutzt. Dank sprach er den Landwirten von Alsfeld aus, die sich im Sommer 2018 mit mehreren gefüllten Wasserfässern zur Bekämpfung von Wald- und Flächenbränden anboten. Überörtliche half die Alsfelder Wehr mit einem Tanklöschfahrzeug bei dem bisher größten Waldbrand in der Geschichte der Stadt Kirtorf aus. Insgesamt neun Stunden lang bekämpften die Alsfelder Feuerwehrleute die Flammen im Wald. Mehrfach betonte der Wehrführer, dass die Alsfelder Feuerwehrleute keine Berufsfeuerwehrleute sind und einem eigentlichen Beruf nachgehen. Insgesamt 142 Mal wurden die Ehrenamtlichen laut Schmidt von ihrer Berufsausübung zur Tageszeit abgehalten. „Die örtlichen Unternehmen ermöglichen unsere Hilfeleistungen durch die Freistellung der Feuerwehrleute überhaupt erst“, machte Schmidt deutlich. Insgesamt waren die Feuerwehrleute 3.114 Stunden im Einsatz, dabei retten sie zwei Menschenleben. Überörtlich eilten die Besatzungen der Alsfelder Einsatzfahrzeuge insgesamt 17 Mal in benachbarte Kommunen zur Hilfe, darunter vier Großbrände. Fast 50 absolvierte Lehrgänge auf Kreis- und Landesebene konnte der Wehrführer für das Vorjahr nennen, sie trugen jedoch nur einen Bruchteil zu den mehr als 11.000 ehrenamtlichen Dienststunden bei.

Neben der Stadt Alsfeld stärkt den freiwilligen Feuerwehrleuten ein 515-köpfiger Förderverein den Rücken. Dieser steht unter dem Vorsitz des Wehrführers. Im Vorjahr organisierte der Verein unter anderem mit einem Wintervergnügen gesellige Zusammenkünfte für die Feuerwehrleute. Das Hauptaugenmerk lag jedoch auf der Förderung und der Unterstützung des Brandschutzes und der allgemeinen Hilfe. Unter anderem wurde ein Kleinwagen für die Brandschützer beschafft, der für Versorgungsfahrten und die Teilnahme an Lehrgängen insgesamt 3.000 Kilometer zurücklegte. In diesem Jahr will der Verein ein Übungshaus für die Ausbildung von Atemschutzgeräteträgern bauen und eine Drohne für die Luftunterstützung bei Einsätzen beschaffen. „Übernommen aus der Industrie geht die Feuerwehr den Weg in Richtung 4.0“, so Schmidt.

Der stellvertretende Jugendfeuerwehrwart Colin Greb berichtete über die Arbeit der 6 Mädchen und 17 Jungen zählenden Nachwuchsabteilung der Feuerwehr. Mehr als 1.100 Stunden Jugendarbeit wurden geleistet. Von dem traditionellen Weihnachtsbaumsammeln bis hin zum Besuch der Eisbahn auf dem Marktplatz reichten die Aktivitäten der jungen Feuerwehrleute. Als Höhepunkte des Jahres bezeichnete der Jugendfeuerwehrwart die sogenannte 24-Stunden-Übung mit 25 Übungsalarmen.

Kinderfeuerwehrleiterin Ramona Diehl fasste die vorjährigen Erlebnisse der 33 Feuerfüchse zusammen. So wurden unter anderem ein Ausflug ins Vulkaneum nach Schotten unternommen und ein Spielenachmittag im Erlenbad veranstaltet. Zur Frühlingszeit wurden Insektenhotels gebastelt, im Sommer ein Grillnachmittag mit den Eltern verbracht. Als Höhepunkt zählte eine Übernachtung in der Feuerwache. Der Fokus aller Treffen lag auf der Brandschutzerziehung und dem Training des Notrufs. Im Vorjahr konnten erneut Kinder von der Kinderfeuerwehr in die Jugendfeuerwehr übernommen werden.

Die 23 Auftritte der 48-köpfigen show and brass band reflektierte der zweite Vorsitzende Alexander Reinsch. Im Vorjahr konnten neun Nachwuchsmusiker begrüßt werden. Zu den überregionalen Auftritten zählten der Rosenmontagsumzug in Mainz, das Loreley-Tattoo in St. Goarshausen und das Deutschland Military Tattoo in Magdeburg. Aber auch lokal waren die Musiker stark vertreten, beispielsweise bei dem Aufstellen des Maibaumes oder zur Eröffnung des Pfingstmarktes. Der Instrumentenbestand konnte im Vorjahr um eine Tuba, eine Trompete und einen Dudelsack erweitert werden. Zudem wurden neue Lackschuhe beschafft.

Für die 39-köpfige Ehren- und Altersabteilung resümierte Leiterin Rita Bücking das Vorjahr. „Die Hauptaufgabe der Abteilung ist die Fortführung und die Weiterpflege der überlieferten Feuerwehrkameradschaft und die Aufrechterhaltung der von früher bestehenden Verbundenheit“, so Bücking. Als besonderes Aktivitäten hob sie einen Kameradschaftsabend im Marktcafé, das 80-jährige Jubiläum der Abteilung sowie einen Tagesausflug nach Miltenberg und Frankfurt hervor.

Kassenverwalter Ralf Braun informierte, dass der Förderverein die Einsatzabteilung, Kinderfeuerwehr und Jugendfeuerwehr mit über 30.000 Euro unterstützte. Zu neuen Kassenprüfern wurden Martin Zulauf und Udo Naujokat gewählt.

Die Ehrung für 70 Jahre Feuerwehrzugehörigkeit erhielten Günther Henning, Erich Ernst, Georg Falkenhainer, Dietmar Koch, Dieter Müller, Hans Otto Schneider und Willi Stein. Marianne Schleichert und Heinrich Weiß wurden für 50-jährige Mitgliedschaft geehrt, Willy Eifert, Andrea Habermann, Yvonne Müller, und Uwe Weiß für 30-Jährige. Eine Ehrung für 20-jährige Zugehörigkeit erhielten Lothar Bäcker, Marcus Eckert, Anita Felkl, Andrea Hartmann, Werner Janke, Georg Kalbfleisch, Ralf Müller, Lothar Ruhl und Peter Schwärzel. Für zehnjährige Vereinszugehörigkeit wurden Anja Gonther, Lieselotte Hahn, Nils Krömmelbein, Wolfgang Meyer, Manuel Müller, Eric Planz, Johanna Röhrig, Tobias Tomalla sowie Benjamin und Philipp Weitzel geehrt. Das Ehrenzeichen für Hessische Feuerwehrmusiker in Bronze wurde an Reinhard Gonther, Johannes Günther und Kilian Schütz verliehen. Für das Engagement des Vorsitzenden und Wehrführers überreichten die Feuerwehrleute einen Gutschein für einen Wellness-Tag mit Ehefrau Sarah und Kind Milena.

Die Beförderung zum Hauptfeuerwehrmann erhielt Niklas Naujokat, die Beförderung zum Oberfeuerwehrmann erhielten Jonas Röhrig und Nils Krömmelbein. Während Sarah Kuhla zur Feuerwehrfrau befördert wurde, wurden Colin Greb, Jonas Werner, Max Sendrowski und Janosch Lang zu Feuerwehrmännern befördert. Für die höchste Übungsbeteiligung wurde Sven Krüger ausgezeichnet. Ernennungsurkunden erhielten die Jugendfeuerwehrwarte Niklas Naujokat und Colin Greb, Entlassungsurkunden erhielten ihre Vorgänger Thomas Dressler und Florian Borchard.

Bürgermeister Stephan Paule dankte für das Engagement der Feuerwehrleute. „Die Feuerwehr steht in der Mitte unserer Stadt“, so der Bürgermeister. Er bezeichnete sie als präsent, vernetzt und anerkannt. Große Bedeutung sprach er der Kinder- und Jugendarbeit aus, die in Alsfeld innovativ betrieben werde. Die show and brass band bezeichnete er als Repräsentanz der Stadt Alsfeld in Deutschland und Europa. Wie Paule sagte, steht die Stadtpolitik hinter der Alsfelder Feuerwehr. „Was der Politik vernünftig und überzeugend erklärt wird, das trifft auf Zustimmung“, so Paule.

Stadtverordnetenvorsteher Michael Refflinghaus sprach der Feuerwehr eine große Bedeutung für Alsfeld zu. „Durch die Tätigkeit der Feuerwehrleute können wir uns in Alsfeld sicher fühlen“, so Refflinghaus. Er sprach von einer besonderen Unterstützung der Feuerwehr durch die ehrenamtliche Politik. „Wir wissen das Ehrenamt zu schätzen“, so der Stadtverordnetenvorsteher.

Stadtbrandinspektor Daniel Schäfer sprach einen Dank für die geleistete Arbeit am Nächsten aus und hob die Bedeutung der Jugendarbeit hervor. Auf Stadtebene sprach er im Vergleich zum Vorjahr von einer Steigerung der Einsatzzahlen. „Alle 32 Stunden gab es einen Einsatz“, so Schäfer. Er kündigte die Beschaffung von einem neuen Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wassertank, zwei Mannschaftstransportwagen und einen Einsatzleitwagen an. Zudem teilte der Stadtbrandinspektor mit, dass in diesem Jahr die Planungen für die Neubauten von Feuerwehrhäusern in den Stadtteilen starten.

 

Polizeihauptkommissar Stephan Messer dankte in einem Grußwort für die gute Zusammenarbeit der Feuerwehrleute mit der Polizeistation Alsfeld. „Wir werden dafür bezahlt, ihr macht das ehrenamtlich“, hob Messner hervor. Er warb für eine Stärkung des Ehrenamtes und einen größeren Schutz für Einsatzkräften vor Gewalt. Wie der Polizeihauptkommissar sagte, verdoppelten sich in der Bundesrepublik Deutschland zwischen den Jahren 2011 und 2016 die erfassten Gewalttaten gegenüber Feuerwehrleuten, Sanitätern und Polizisten. Für den Kreisfeuerwehrverband grüßte Willy Eifert die Versammlung. Ulf Heinemann von der Partnerfeuerwehr in Eschede reflektierte in einer Ansprache die persönlichen Verbindungen zwischen den Wehren. Für die Feuerwehr aus dem benachbarten Romrod dankte Reinhold Weitzel für das gute Miteinander. „Wir in Romrod sind dankbar, dass wir die Feuerwehr Alsfeld an unserer Seite haben“, so Weitzel. Für das Technische Hilfswerk sprach Steffen Zulauf von einer guten Zusammenarbeit. „Ich bin immer wieder fasziniert, wie viele ehrenamtliche Stunden von den Alsfelder Feuerwehrleuten geleistet werden“, so Zulauf.

Im Rahmen der Versammlung wurde der Vorstand des Fördervereins neu gewählt. Der Vorsitzende Carsten Schmidt, Kassenverwalter Ralf Braun und sein Stellvertreter Sascha Wagner sowie Schriftführer Kevin Planz und sein Stellvertreter Tobias Riemann wurden einstimmig wiedergewählt. Neu in den Vorstand gewählt wurden der zweite Vorsitzende Sven Krüger sowie Pressesprecherin Naomi Hedrich.

 

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